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Bekannt aus stern, NZZ, ZDF, SWR1, Süddeutsche Zeitung und Deutschlandfunk
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Choleriker Ursachen: Was die Kindheit damit zu tun haben könnte

Spätestens dann, wenn man sich dabei erwischt, besonders aufzupassen, was man sagt und die kleinste Streitigkeit zu einem Wutausbruch führen kann: Man denkt, man habe es mit einem Choleriker zu tun. Fast jeder trifft in seinem Leben den ein oder anderen Menschen, dem man cholerische Verhaltensweisen zuschreibt. Sie würden schnell an die Decke gehen und seien schwer zu beruhigen, wenn sie erst einmal wütend sind.

Sie wollen erst wissen, was „cholerisch“ überhaupt bedeutet? Das erklären wir im Artikel „Was ist ein Choleriker?“

Wichtig: Hierbei ist zu beachten, dass aus wissenschaftlicher Perspektive das Konzept des Cholerikers als überholt gilt. Es wird in der aktuellen Persönlichkeitspsychologie und für die Klassifikation von psychischen Erkrankungen nicht herangezogen (Dammeyer, & Zettler, 2018). Viele Menschen verwenden diesen Begriff trotzdem. Der Begriff ist Teil der Alltagspsychologie (Asendorpf, & Neyer, 2018). Unter diesen Bereich der Psychologie fallen allgemein verbreitete Vorstellungen und gewöhnliche Erklärungsweisen, um das Handeln und Erleben des Menschen darzustellen, zu verstehen und vorherzusagen und ist damit von der Psychologie als Wissenschaft zu unterscheiden (Asendorpf, 1999).

Trotzdem fragen sich viele Menschen: Wie wird man zum sogenannten Choleriker? Gibt es Ursachen in der Kindheit, die dazu beitragen, dass jemand als Erwachsener cholerisch reagiert? Diese Fragen klären wir im heutigen Artikel.

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Wie verhält sich ein sogenannter Choleriker?

Lautes Schreien ist nur ein Teil des Verhaltens eines Cholerikers

Oft werden sogenannte Choleriker als reizbar, unberechenbar oder ungestüm beschrieben. Wichtig ist hierbei, dass diese Verhaltensweisen nicht wissenschaftlich hergeleitet sind, sondern aus einem Konzept aus der antiken Medizin stammen. Es wurde angenommen, dass bestimmte Körpersäfte mit Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängen würden. Allerdings hat die antike Medizin keine wissenschaftliche Forschung zu Zusammenhängen zwischen Körpersäften und Persönlichkeitsmerkmalen betrieben (Ashton, 2023). Trotzdem gibt es Annahmen, wie sich ein sogenannter Choleriker verhalte. Sie sollen durch ihr impulsives Verhalten auffallen und seien häufig ungeduldig. Besonders belastend sei es, mit einem Choleriker in der eigenen Familie zu leben. Manche Menschen kennen in ihrem Umfeld jemanden, der mit regelmäßigen Wutausbrüchen zu kämpfen hat. Sie kennen auch die Tragweite, die ein sogenanntes cholerisches Verhalten auf das eigene Umfeld haben könne.

Konflikte und Streitigkeiten sind eigentlich in jedem Haushalt normal und gehören zum Alltag (Juang et al., 2012). Durch einen gesunden Umgang mit Meinungsverschiedenheiten können sie sogar zu einem Lernfeld für alle Beteiligten werden. Beim Zusammenleben mit jemandem, der häufig Wutausbrüche hat, kann dies belastend sein (Müller-Vahl et al., 2020).

‍Erfahren Sie mehr über das Verhalten von Cholerikern in unserem Podcast!

Ursachen: Was denken die Menschen, wie man zum sogenannten Choleriker wird?

Es gibt mehrere Annahmen, welche Ursachen sogenanntes cholerisches Verhalten habe. Da es sich bei cholerischem Verhalten um kein wissenschaftliches Konzept handelt, gibt es keine Forschung zu den Ursachen. Trotzdem gibt es Faktoren, die Einfluss auf das Konfliktverhalten von Menschen haben können. Darunter fallen genetische, biologische, kulturelle und soziale Einflüsse, die prägend sein können und dazu beitragen können, dass jemand im Laufe seines Lebens eher zu aggressivem Verhalten neigt. Häufig kann das Verhalten, das bei solchen Personen beobachtet wird, dann im Volksmund als cholerisch bezeichnet werden.

Lebensumstände

Stressige Lebensumstände sind eine Ursache für Choleriker

Die kulturellen und sozialen Umstände im Leben eines Menschen können Ursachen für Unterschiede im Verhalten darstellen (Pérusse et al., 1994). Faktoren wie chronischer Stress (Norlander, & Eckhardt, 2005), ein geringes Selbstwertgefühl (Stefanile et al., 2021), Überforderung im Job (Spector et al., 2006) oder Krisen in Beziehungen bei der Arbeit (Hershcovis et al., 2007) können ebenfalls dazu beitragen, dass Betroffene zu aggressiven Verhaltensweisen neigen.

Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserem Artikel: “Was ist Aggression?”

Biologische Faktoren

Biologische Faktoren zählen zu den Ursachen für cholerisches Verhalten

Eine Tendenz zu aggressiven und impulsiven Verhaltensweisen kann also durch verschiedene äußere Faktoren in der Umwelt von Betroffenen beeinflusst werden. Neben Umweltfaktoren scheinen aber auch genetische Faktoren einen Einfluss zu haben (Moffitt, 2005).

Aber was passiert eigentlich im Gehirn bei Personen mit aggressivem oder antisozialem Verhalten? - Hierzu konnte zum Beispiel festgestellt werden, dass bei der Messung von Gehirnwellen mithilfe eines EEG (Elektroenzephalografie), geringere Aktivität von bestimmten Wellen festgestellt wurde. Geringere Aktivität dieses bestimmten Wellentyps (Alpha-Wellen) ist dabei ein Faktor, der zu Verhalten führt, das eher nach außen verlagert wird. Das Verhalten wird dabei nach außen verlagert, um ein höheres Aktivitätsniveau im Gehirn zu erreichen (Veroude et al., 2016).

Gene

Die Gene können eine Ursache für cholerisches Verhalten sein

Auch Gene können die Regulation von bestimmten Neurotransmittern im Gehirn beeinflussen. Dies kann ebenfalls zu einer Beeinträchtigung der emotionalen Regulation führen, was sich in impulsivem und aggressivem Verhalten äußern kann.

  • Ein Beispiel für eines der Gene, die mit aggressivem Verhalten und mangelnder Impulskontrolle in Verbindung gebracht wurden, ist das sogenannte MAOA-Gen (Monoaminooxidase-A) (Veroude et al., 2016). Es ist an der Regulation von bestimmten Neurotransmittern wie Serotonin oder Dopamin beteiligt. Diese beeinflussen wiederum zum Beispiel die Stimmung. Eine spezifische Variante des MAOA-Gens ist auch als "Krieger-Gen" bekannt. Es wurde ebenfalls mit einer erhöhten Neigung zu aggressivem Verhalten in Verbindung gebracht. Allerdings reicht hier der Forschungsstand nicht aus, um die Verbindung des Gens mit aggressivem Verhalten zu verallgemeinern, da Studien mit gewissen wissenschaftlichen Anforderungen fehlen (McDermott et al., 2009).
Das Thema Wut & Aggressionen in den Medien
MEDIENBERICHTE

Welche Rolle spielt die Kindheit bei sogenannten Cholerikern?

Die Kindheit kann eine weitere Choleriker Ursache sein, häufig sind streitende Eltern ein Bestandteil dafür

Die Kindheit hat häufig einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit und Charaktereigenschaften von Personen (Shiner, & Caspi, 2003). Bei Personen mit einem unsicheren Bindungsstil in ihrer Kindheit konnte vermehrt aggressives Verhalten festgestellt werden, wenn sie erwachsen waren (Loeber, & Hay, 1997). Ein unsicherer Bindungsstil kann entstehen, wenn die Bezugsperson in der Kindheit z. B. nicht verfügbar war oder dem Kind keinen “sicheren Hafen” gegeben hat.

Auch traumatische Erfahrungen können das Verhalten beeinflussen. Sie können dazu führen, dass sich bestimmte Verhaltensmuster im Erwachsenenalter manifestieren (Downey, & Crummy, 2022). Das heißt aber nicht, dass alle aggressiven oder als Choleriker bezeichneten Personen eine traumatische Kindheit erlebt haben.

‍Erfahren Sie mehr über dieses Thema in unserem Podcast!

Selbsthilfe bei sogenannten Cholerikern

Sogenannte Choleriker, die ihr Verhalten verbessern möchten, können auf verschiedenen Wegen eine sogenannte Aggressionsbewältigung lernen. Einige dieser Möglichkeiten finden Sie hier:

Entspannungsübungen

Entspannungsübungen können cholerischem Verhalten entgegenwirken

Innere Anspannung kann eine Ursache für aggressives Verhalten sein. Aus diesem Grund können Übungen zur Entspannung, wie Yoga (Hagen et al., 2021) oder progressive Muskelentspannung (Nickel et al., 2005), ein guter Schritt sein, um innere Anspannung zu verringern. Auch autogenes Training wird eingesetzt, um zur Ruhe zu kommen (Linden, 1994).

Therapie

Eine Therapie kann helfen, die Ursachen für cholerisches Verhalten aufzuarbeiten

Psychotherapeutische Ansätze können hilfreich sein, negative Denkmuster aufzubrechen und neue, konstruktive Verhaltensmuster zu erlernen. In diesem Fall können verschiedene Therapieformen dazu beitragen, die Ursachen für das aggressive Verhalten, welches im Volksmund teilweise als cholerisch bezeichnet wird, aufzuarbeiten. Es gibt allerdings Wartezeiten für einen Therapieplatz.

‍Wichtig!
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Sogenannte Choleriker können mit etwas Einsatz lernen, wie sie ihr aggressives Verhalten und Wutausbrüche in den Griff bekommen. Hierzu eignen sich spezielle Fortbildungen, die sich nur auf Aggression und cholerisches Verhalten konzentrieren, zum Beispiel im Fachzentrum für Wut & Aggression (online und staatlich zugelassen durch die ZFU). Sie können Betroffene dabei unterstützen, ihre Emotionen zu regulieren und ihnen Methoden an die Hand geben, um aggressive Verhaltensmuster zu erkennen.

‍Mehr dazu hören Sie in unserem Podcast!

Häufige Fragen zu Cholerikern

Ist Choleriker sein eine Krankheit?
Nein. „Choleriker“ ist ein Begriff aus dem Alltag, keine Diagnose (Dammeyer, & Zettler, 2018). Wer allerdings immer wieder heftig ausrastet und darunter leidet, sollte ärztlich oder psychotherapeutisch abklären lassen, ob mehr dahintersteckt.

Ist cholerisches Verhalten vererbt?
Nur zum Teil. Gene können beeinflussen, wie schnell jemand hochfährt. Ob daraus Wutausbrüche werden, hängt stark von Umwelt und Erfahrungen ab (Moffitt, 2005). Wer als Kind erlebt hat, dass am Esstisch gebrüllt wird, hat oft genau das gelernt.

Kann man cholerisches Verhalten ändern?
Ja. „Heilen“ ist das falsche Wort, weil es keine Krankheit ist. Wer lernt, seine Auslöser zu erkennen und früher gegenzusteuern, kann sein Verhalten Schritt für Schritt verändern.

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Über die Autoren
Kathrin Georg

Kathrin Georg ist Klinische Psychologin (M. Sc.) und Sozialpädagogin. Sie verantwortet die fachliche Leitung am Fachzentrum für Wut & Aggression und befindet sich in Weiterbildung zur Klinischen Neuropsychologin (GNP). Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Erziehung, elterliche Wut und Patchwork-Familien. Sie ist die Autorin dieses Artikels.

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Ferdinand Kirchhof

Ferdinand Kirchhof ist Psychologe (M.Sc.). Er arbeitet am Fachzentrum für Wut & Aggression als psychologischer und wissenschaftlicher Berater und seine Expertise fließt sowohl in unsere Arbeit als auch in unsere Veröffentlichungen. Er ist der Co-Autor dieses Artikels, zusammen mit Kathrin Georg als Autorin.

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