Wut selbst misst niemand. Der Wut-Atlas zeigt, wie oft Streit in den 80 deutschen Großstädten in Körperverletzung endet und in welchen Bundesländern Bedrohung, Beleidigung und Drängeln im Straßenverkehr am häufigsten angezeigt werden. Alle Zahlen sind amtlich, mit Quelle und offen erklärt.
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Wut selbst kann niemand zählen, und die meiste Wut landet nie bei der Polizei. Sichtbar wird sie erst, wenn ein Streit eskaliert: wenn jemand geschlagen, bedroht, beleidigt oder im Straßenverkehr bedrängt wird. Genau diese vier Delikte zeigen wir, mit amtlichen Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 des Bundeskriminalamts.
Gefährliche Körperverletzung, etwa mit Waffen oder zu mehreren, lassen wir bewusst weg: Wut ist nicht dasselbe wie Gewalt. Und nicht hinter jeder dieser Taten steckt Wut. Die Zahlen zeigen, wo Ärger öfter bei der Polizei landet, nicht, wo die Menschen wütender sind.
Dazu kommt, was wir selbst sehen: anonyme Auswertungen aus über 1.000 Fragebögen von Menschen, die bei uns Hilfe gesucht haben.
Einfache Körperverletzung heißt: Jemand wird verletzt, etwa durch einen Schlag oder einen Stoß, ohne Waffe und nicht von mehreren. Platz 1 hat die meisten Fälle pro 100.000 Einwohner. Großstädte mit vielen Pendlern, Nachtleben und Veranstaltungen liegen oft weiter vorn, weil die Polizei am Tatort zählt und nicht am Wohnort.
Diese drei Delikte weist das Bundeskriminalamt nur pro Bundesland aus. „Drängeln“ meint Nötigung im Straßenverkehr, also etwa dichtes Auffahren oder Ausbremsen. Bundesweit sind es 246 Bedrohungen, 308 Beleidigungen und 41 Fälle von Nötigung im Straßenverkehr pro 100.000 Einwohner.
Die Polizeistatistik zeigt nur das Hellfeld, also Taten, die angezeigt und von der Polizei erfasst wurden. Wie viel angezeigt wird, hängt auch davon ab, wie oft Menschen zur Polizei gehen und wie stark kontrolliert wird. Gezählt wird am Tatort, nicht am Wohnort.
Wir übernehmen die Häufigkeitszahl des Bundeskriminalamts unverändert, auf Basis des Zensus 2022. Städte und Bundesländer vergleichen wir nie in einer gemeinsamen Rangliste, und Vergleiche mit Österreich oder der Schweiz ziehen wir nicht, weil dort anders gezählt wird.
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025, Bundeskriminalamt, Städte-Tabelle T01 Version 1.1 vom 21.04.2026, Länder-Tabelle T01 Version 1.0 vom 06.03.2026, Vorjahr PKS 2024. Datenlizenz Deutschland, Namensnennung, Version 2.0. Eigene Auswertung, Stand 07.10.2026.
Alle Zahlen dürfen Sie mit Quellenangabe verwenden. Bitte nennen Sie als Quelle „Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Bundeskriminalamt, ausgewertet vom Fachzentrum für Wut & Aggression“, bei unseren eigenen Zahlen „Fachzentrum für Wut & Aggression“, und verlinken Sie diese Seite: fachzentrum-wut.de/wut-atlas#rangliste. Für die thematische Einordnung und als Interviewpartner stehen Ihnen Katrin Hoster und Merlin Faude (Anti-Aggressionstrainer und Geschäftsführer des Fachzentrums für Wut & Aggression) zur Verfügung.

Die Polizeistatistik sieht nur, was angezeigt wird. Wir sehen etwas anderes: Wer sich bei uns meldet, füllt vor dem ersten Gespräch einen Fragebogen aus. Darin geht es darum, wo die Wut auftaucht, wie schnell sie kommt und was sie auslöst. Ausgewertet haben wir anonym 1.120 dieser Fragebögen aus den Jahren 2023 bis 2026, mehrere Antworten waren möglich.
Die meiste Wut passiert also dort, wo keine Statistik hinschaut: in der Beziehung und in der Familie. Wer sich bei uns meldet, ist zu 63 % männlich und im Mittel 38 Jahre alt. Das deckt sich mit der Forschung: In einer bekannten Befragung des US-Psychologen James Averill richtete sich Wut in 54 % der Fälle gegen einen geliebten Menschen oder einen Freund. Fremde waren nur selten das Ziel.
Quelle: eigene, anonyme Auswertung des Fachzentrums für Wut & Aggression. Fragebogen vor dem Erstgespräch, 1.120 Antworten (Februar 2023 bis Oktober 2026), Fragen zu Auslösern 940 Antworten. Geschlecht und Alter aus 6.439 Anfragen. Nicht repräsentativ für die Bevölkerung, sondern für Menschen, die Hilfe suchen. Studie: Averill, J. R. (1982): Anger and Aggression. An Essay on Emotion, Springer, Kapitel 8; Wert zitiert nach Roseman, I. J. (2018): Functions of Anger in the Emotion System, in: The Function of Emotions, Springer, S. 149.
Wut ist erlerntes Verhalten, und das lässt sich ändern. Wenn Sie merken, dass Ihre Wut Ihnen, Ihrer Beziehung oder Ihrer Familie schadet, sprechen Sie mit uns. Das erste Gespräch ist kostenlos.
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