Was ein Anti-Aggressionstraining für Erwachsene bringt, wie es abläuft, was es kostet und wie Sie das richtige Angebot finden, online oder vor Ort.

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Zuletzt aktualisiert am 09.10.2026
Kurz gesagt: In einem Anti-Aggressionstraining lernen Erwachsene, ihre Wut früher zu bemerken und in hitzigen Momenten anders zu reagieren als mit Schreien, Drohen oder Türenknallen. Die meisten Teilnehmer kommen freiwillig, weil sie zu Hause immer wieder die Kontrolle verlieren und das ändern wollen. Das klingt ähnlich, ist aber etwas anderes als das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT®), ein Programm für junge, mehrfach gewalttätige Menschen, das meist ein Gericht anordnet (Krüger, 2018).
Wer „Anti-Aggressionstraining“ sucht, hat meistens gerade einen schlechten Abend hinter sich: ein Streit, der zu laut wurde, ein Kind, das erschrocken geguckt hat, eine Partnerin, die nichts mehr sagt. In diesem Artikel lesen Sie, was ein solches Training ist, wie es abläuft, was es kostet, ob online oder vor Ort besser passt und woran Sie erkennen, welches Angebot für Sie das richtige ist.
Ein Anti-Aggressionstraining ist ein angeleitetes Training, in dem Sie lernen, aggressive Reaktionen früh zu erkennen und durch andere zu ersetzen. Es ist keine Therapie und kein Pflichtprogramm, sondern ein Lernweg: Sie verstehen, in welchen Situationen Sie ausrasten, und üben, dort anders zu handeln. Angeboten wird es von Psychologen, Pädagogen und Trainern, als Gruppe, einzeln oder online.

Es gibt verschiedene Ursachen, die zu Aggressionen führen können, zum Beispiel Dauerstress, Ärger oder Frustration. Erlernte Verhaltensweisen durch aggressive Vorbilder oder schwierige Erlebnisse in der Kindheit spielen oft ebenfalls eine Rolle. Aggressionen zeigen sich nicht nur als Schreien oder körperliche Gewalt, sondern bei vielen Betroffenen auch als eisiges Schweigen, Sticheleien oder unterdrückte Wut.
Ein Anti-Aggressionstraining hilft, diese Muster zu erkennen und zu verändern. Es geht nicht darum, Wut wegzumachen, sondern darum, dass sie nicht mehr die Menschen trifft, die einem am wichtigsten sind.
Steckt hinter der Wut eine psychische Erkrankung, braucht es zusätzlich oder zuerst eine Behandlung. Hier finden Sie einen ausführlichen Artikel zum Thema Aggressionstherapie.

Nicht jeder, der „Anti-Aggressionstraining“ sucht, braucht dasselbe. Eine kurze Sortierung:
Ob ein Training in Ihrem Fall der richtige Weg ist, lässt sich in einem kostenlosen Erstgespräch klären, bevor Sie irgendwo Geld ausgeben.
Die beiden Begriffe werden ständig verwechselt, meinen aber zwei verschiedene Dinge:
Einfache Faustregel: Hat kein Gericht Sie geschickt, meinen Sie das zweite. Falls doch, lesen Sie unseren Artikel zum Anti-Aggressivitäts-Training (AAT®), dort steht, was anerkannt wird und wie es abläuft.
Die Inhalte unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter, aber der Kern ist fast immer derselbe. Ein gutes Training für Erwachsene arbeitet an diesen Punkten:

Wer nach drei Wochen zum ersten Mal mitten im Streit den Raum verlässt, statt zu brüllen, hat mehr erreicht als mit zehn Büchern über Wut.
Es gibt keinen einheitlichen Standard für Anti-Aggressionstrainings. Fragen Sie deshalb vor der Anmeldung, wer das Training leitet, wie viele Termine es gibt und ob es zwischen den Terminen eine Begleitung gibt.
Die wenigsten Menschen, die ein Anti-Aggressionstraining suchen, haben jemals jemanden geschlagen. Sie werden laut, sagen Dinge, die sie zehn Minuten später bereuen, knallen Türen oder schweigen tagelang. Von außen wirkt das Leben geordnet: Job, Familie, Verantwortung. Nur zu Hause kippt es immer wieder.

Die schmerzhafteste Erfahrung für Menschen mit Wut- und Aggressionsproblemen ist meistens dieselbe: Sie verletzen bei Wutausbrüchen ihre Liebsten. Die Partnerin zieht sich zurück, die Kinder werden still, wenn der Schlüssel in der Tür ist, und danach kommen Scham und der Vorsatz, dass es nie wieder passiert. Bis zum nächsten Mal.

Der Hauptgrund für ein Training ist deshalb fast immer derselbe: einen geliebten Menschen nicht länger mit dem eigenen Verhalten zu belasten. Viele kommen auch, weil sie nicht wollen, dass ihre Kinder dieses Verhalten lernen, oder weil die Partnerin gesagt hat, dass sie so nicht weitermacht. Das ist kein schlechter Grund, sondern meistens der entscheidende.
Für das Ergebnis zählt vor allem, wer Sie begleitet. Trainer mit viel Erfahrung bei ganz unterschiedlichen Menschen erkennen schneller, welcher Ansatz bei Ihnen greift. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel “Wut loswerden”.

Anti-Aggressionstrainings vor Ort bieten Beratungsstellen, Vereine, Volkshochschulen und einzelne Praxen an, meist als Gruppe mit festen Terminen. Die Trainer sind in der Regel Psychologen, Pädagogen oder Anti-Gewalt-Trainer. Vor Ort lassen sich hitzige Situationen im Rollenspiel nachstellen, und die Gruppe zeigt, dass man mit dem Problem nicht allein ist.
Zwei Dinge sollten Sie wissen: Viele Gruppen vor Ort richten sich an Menschen mit Gerichtsauflage oder an Jugendliche, fragen Sie also vorher, für wen der Kurs gedacht ist. Und Gruppen starten nur zu bestimmten Terminen, deshalb gibt es oft Wartezeit.
Trotz entspannter Atmosphäre im Training kann Stress in den eigenen vier Wänden zu Rückfällen führen. Das gewohnte Umfeld löst alte Verhaltensweisen aus. Deshalb ist es wichtig, die Methoden aus dem Training Stück für Stück in den Alltag zu bringen.

Online-Trainings haben einen praktischen Vorteil: Sie passen in einen vollen Kalender, es gibt kaum Wartezeit, und niemand muss abends noch quer durch die Stadt fahren. Sie laufen als Einzelbegleitung, als Gruppe per Video oder als Programm mit Lernvideos und festen Sprechstunden. Entscheidend ist auch hier, dass echte Menschen Sie begleiten und nicht nur ein Video läuft.
Wir beim Fachzentrum für Wut & Aggression arbeiten seit 2018 nur zu Wut und Aggression, komplett online, und haben über 4.000 Klienten begleitet. Unsere Fortbildungen sind staatlich zugelassen von der ZFU. Ob und wie wir Ihnen helfen können, klären wir in einem kostenlosen Erstgespräch.

Die Kosten hängen davon ab, wie lange das Training dauert, ob Sie einzeln oder in der Gruppe arbeiten, wie viel Begleitung zwischen den Terminen dazugehört und wer es leitet. Zur Orientierung: Ein Verein mit Kostenübernahme verlangt zum Beispiel 50 € Eigenanteil (Leben ohne Gewalt e.V., 2026), eine Beratungsstelle als Selbstzahler 95 € pro mehrstündiger Sitzung (Beratungsstelle Zweite Chance, 2026). Private Einzel- und Online-Programme über mehrere Monate liegen im vierstelligen Bereich.
Ordnet ein Gericht oder das Jugendamt ein Training an, übernehmen oft Jugendhilfe oder Justiz die Kosten; klären Sie dann vorher, welches Angebot anerkannt wird. Die Krankenkasse zahlt ein Training in der Regel nicht, weil es keine Psychotherapie ist.
Was es bei uns kostet, hängt davon ab, was für Sie überhaupt in Frage kommt. Das klären wir im kostenlosen Erstgespräch: ob wir Ihnen helfen können, was der richtige Weg ist, und erst dann, was er kostet.
Am Anfang steht ein Gespräch: Was passiert bei Ihnen, wann, mit wem, und was soll anders werden? Danach folgen die Bausteine von oben, Auslöser, Frühwarnzeichen, Notbremse, neue Reaktionen, und zwar nicht als Vortrag, sondern an Ihren eigenen Situationen. Zwischen den Terminen beobachten Sie sich im Alltag, zum Beispiel mit einem Wuttagebuch, und besprechen beim nächsten Mal, was geklappt hat und was nicht.
Erste Veränderungen merken viele nach einigen Wochen, meistens daran, dass sie einen Ausbruch kommen sehen und noch abbiegen können. Damit das verlässlich wird, laufen gute Trainings über mehrere Monate; ein einzelnes Wochenende reicht selten. Das AAT® für Gewalttäter dauert fünf bis sechs Monate mit einer Gruppensitzung pro Woche (IKD, 2023), freiwillige Trainings für Erwachsene sind freier aufgebaut.
Ist jemand in Gefahr: Polizei 110. Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016. Telefonseelsorge: 0800 111 0 111.
Und wenn Sie sich im ersten Punkt wiedererkannt haben: Gut, dass Sie bis hierher gelesen haben. Die meisten Menschen, die sich bei uns melden, wollen nicht mehr derjenige sein, vor dem zu Hause alle leiser werden. Im kostenlosen Erstgespräch finden wir gemeinsam heraus, was für Sie in Frage kommt.
Für alle, die immer wieder die Kontrolle über ihre Wut verlieren und darunter leiden, unabhängig davon, ob es je zu einer Anzeige gekommen ist. Der häufigste Grund für eine Teilnahme ist der Wunsch, die eigene Familie nicht länger zu verletzen.
Klassische Trainings laufen über mehrere Monate mit ein bis zwei Terminen pro Woche. Kurze Wochenendformate gibt es, sie führen aber selten zu dauerhafter Veränderung. Rechnen Sie mit einigen Wochen bis zu ersten Veränderungen und mit Monaten, bis die neue Reaktion verlässlich sitzt.
Das reicht von etwa 50 € Eigenanteil bei Vereinen mit Kostenübernahme über rund 95 € pro Sitzung bei Beratungsstellen bis zu vierstelligen Beträgen für private Programme über mehrere Monate. Was es bei Ihnen kostet, hängt davon ab, was für Sie überhaupt in Frage kommt; genau das klären wir im kostenlosen Erstgespräch.
In der Regel nicht, da ein Training keine Psychotherapie im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung ist. Liegt eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung vor, kann stattdessen eine Psychotherapie infrage kommen.
Ja. Online-Formate haben kaum Wartezeit und passen in einen vollen Kalender; für viele Berufstätige sind sie der einzige Weg, der durchhält. Wichtig ist, dass echte Menschen Sie begleiten und nicht nur Videos laufen.
Ja. Viele klassische Gruppen richten sich an junge Männer nach Gewaltdelikten, freiwillige Trainings und Online-Angebote stehen Frauen genauso offen. Oft geht es dabei um Wut gegenüber den Kindern oder dem Partner, und die Methoden sind dieselben.
Nicht in freiwilligen Trainings. Der konfrontative „heiße Stuhl“ gehört zum Anti-Aggressivitäts-Training nach Weidner, das für gewalttätige Straftäter entwickelt wurde.
Deutsches Institut für Konfrontative Pädagogik [Weidner & Gall]. (2023). Anti-Aggressivitäts-Training (AAT®). Deutsches Institut für Konfrontative Pädagogik. Abgerufen am 20. März 2023, von https://www.konfrontative-paedagogik.de/grundlagen/anti-aggressivitats-training
Krüger, G. (2018). Anti-Aggressivitäts-Training [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 24.05.2018 [Zugriff am: 24.03.2023]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/261
Weidner, J. (2011). Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT®) zur Behandlung gewalttätiger Intensivtäter. In: Boeger, A. (eds) Jugendliche Intensivtäter. VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-531-93017-6_5
Beratungsstelle Zweite Chance. (2026). Anti-Aggressivitäts-Training® (AAT): Kosten und Kostenübernahme. Abgerufen am 9. Oktober 2026, von https://beratungsstelle-zweitechance.de/Angebot/Anti-Aggressivitaets-Training/
Leben ohne Gewalt e.V. (2026). Anti-Gewalt-Training (AGT): Kosten. Abgerufen am 9. Oktober 2026, von https://leben-ohne-gewalt.de/agt/

Kathrin Georg ist Klinische Psychologin (M. Sc.) und Sozialpädagogin. Sie verantwortet die fachliche Leitung am Fachzentrum für Wut & Aggression und befindet sich in Weiterbildung zur Klinischen Neuropsychologin (GNP). Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Erziehung, elterliche Wut und Patchwork-Familien. Sie ist die Autorin dieses Artikels.
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Ferdinand Kirchhof ist Psychologe (M.Sc.). Er arbeitet am Fachzentrum für Wut & Aggression als psychologischer und wissenschaftlicher Berater und seine Expertise fließt sowohl in unsere Arbeit als auch in unsere Veröffentlichungen. Er ist der Co-Autor dieses Artikels, zusammen mit Kathrin Georg als Autorin.
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